On the road

upArt e. V. unterstützt:

Kultur-Akut-Mainz,

die Spendeninitiative für Künstlerinnen und Künstler aus Mainz und Umgebung und bittet um Spenden.

Ansonsten: ich vermute ja mal, dass die meisten Veranstaltungen gegenwärtig ausfallen, aber leider kann ich das nicht überprüfen…bleibt gesund.
In der Zwischenzeit veröffentlichen wir hier unregelmäßig die eine oder andere Plattenkritik.

Lesetipp: David Byrne – Wie Musik wirkt

„… stellen wir uns einen von wilden Begierden und inneren Dämonen getriebenen Rocksänger vor, aus dem in einer Art inspirierter Eruption diese unglaublichen, perfekt geschliffenen Songs hervorbrechen, die rein zufällig alle drei Minuten und zwölf Sekunden lang sind. Das ist eine sehr romantische Vorstellung davon, wie Kunst entsteht. Ich bin mittlerweile davon überzeugt, dass es genau andersherum läuft. Ich glaube, dass Künstler instinktiv und unbewusst so arbeiten, dass das Ergebnis zu bereits vorhandenen Formvorgaben passt.“ (S.13). Über diese Formvorgaben lässt sich David Byrne in „Wir Musik wirkt“ über 421 Seiten plus Anhang aus. Zugegeben nicht gerade kurz, aber in Zeiten von Coronalangeweile durchaus machbar und durchgehend erhellend. Der lockere, leicht ironische Schreibstil hilft hier ungemein, man merkt, dass hier der Autor großer Songs der Talking Heads zu Werke geht, er doziert nicht, er erzählt. Wir lernen auch Kurioses, bspw. unter der Überschrift „Musik und Ritus“dass wir für die „Ordnung unseres Gemeinwesens Lieder für eine Vielzahl sozial relevanter Gelegenheiten entwickelt haben.“ Hier wird z.B. genannt, Eltern werden danach lechzen, „Lieder fürs Toilettentraining; Lieder zum Übergang in die Pubertät, …“. Soweit Byrnes Zusammenfassung des Musikethnologen Alan P. Merriam. Er selberkommentiert trocken zu den Toilettentrainingsliedern: „Die will ich unbedingt mal hören!“ (Alle Zitate hierzu S. 405).
Die vorgenannten Formvorgaben können die Architektur der Clubs (hier erfahren wir u.a. viel zum CBGBs) und Hallen, der Stand der Aufnahmetechnik und des Instrumentenbaus, der Zweck der Aufnahme, die Ökonomie (hierüber lässt sich David Byrne lange aus), naturwissenschaftliche und musikstrukturelle Begebenheiten, nur schwer zu überwindende kulturanthropologische, religiöse und gesellschaftliche Strukturen, politisch-ideologische Vorstellungen u.v.a.m. sein. Puuh, das erschlägt einem fast, aber keine Angst der Text bleibt wie gesagt immer gut lesbar und es zeigt sich, dass am Schluss immer noch genug Platz für Kreativität bleibt. Wie sollt es auch beim legendären Frontman der Talking Heads anders sein.
Zuletzt ein Tip: Wenn man das Buch liest, dann auch die alten Platten der Talking Heads wieder hören und vor allen Dingen: Brian Eno – David Byrne: My life in the bush of ghosts.

Uwe Saßmannshausen Ende April 2020

P.S. Im Buch wird auch Musik angesprochen, die selbst hartgesottene AKUT-Fans verstören dürfte. Ein Bsp.ist die Band Sunn O))): „Die in Druidenroben steckenden Musiker standen mit ihren Gitarren vor einer Wand aus übereinandergestapelten Verstärkern und erzeugten ein monströses lautes Gitarrendröhnen, das über die Köpfe der Besucher hinwegbrandete, langsam anschwoll und dann wider abebbte. Es gab keine Drums, keine Songs, zumindest nicht nach unserem gängigen Verständnis.“ (S.415). Die Aufführung, die David Byrne erleben durfte, fand in einer ehemaligen Kirche statt. Ich habe mir Sunn O))) auf Youtube angesehen, hier mein Kommentar: Um die Kirche im Dorf zu lassen, der Gott der Musik prüft seine Jünger manchmal schwer.

Lee Konitz ist tot

Gestorben am Virus mit 92 Jahren in New York. Mit seinem Spiel am Alt-Saxofon hat er Großes geleistet.
In seinem Leben als Jazzer entwickelte er sich vor seinem Hintergrund im Cool in verschiedene Richtungen: vom eher gefälligem Big-Band-Jazz bis zur Zusammenarbeit mit Anthony Braxton, immer auf hohem Niveau.
92 Jahre ist ein hohes Alter, aber in einer Welt besserer medizinischer Versorgung hätten ihm trotzdem noch einige Zeit zum Spielen vergönnt sein könne und uns zum Hören.
Für die Freunde und Freundinnen unseres Vereins ein Tip: Lee Konitz hat sich gerne mit Solos und Duos beschäftigt. Ich schlage zum Hören und Eingedenken „Lee Konitz / Albert Mangelsdorff: The art of the duo“ vor.
Ein Dank für das Lebenswerk von Lee Konitz, wo immer er jetzt sein möge!

Uwe Saßmannshausen 19.04.2020

Elliot Galvin: Modern Times

2019 erschien die CD Modern Times des Eliot Galvin Trios, einer noch jungen Formation mit Eliot Galvin Piano, Tom McCredie Bass und Corrie Dick Drums.
Die Band stammt aus GB, auf dem Cover des Tonträgers ist noch made in the EU vermerkt.
Die CD hat klassische LP-Länge, die Songs sind von traditioneller Dauer von 3 bis 6 Minuten. Komposition und Improvisation sind verschränkt, die Musik manchmal etwas spröde.
Gespielt wird moderner Jazz mit Ausflügen in Richtung moderner E-Musik. Es finden sich rhythmische und zirkuläre Passagen und Momente von großer Dynamik. Das Klangbild entspricht nicht dem klassischem Barjazz in melodisch linearen Strukturen, es finden sich stattdessen Anklänge des Atonalen: Durch die Songstruktur bleibt die Musik aber gut hörbar.
Das Bild das die Musik im Kopf des Rezensenten erzeugt ist weit weg von happy go lucky, der Bauch wird eher nicht angesprochen. Die technischen Fähigkeiten der Musiker sind exzellent, der Autor dieser Zeilen konnte sich davon auch live überzeugen.
Fazit: This is the time and this is the record of the time.

Uwe Saßmannshausen

Doppelbesprechung Howe Gelb: Gathered und Lucia Cadotsch: Speak Low

Diese beiden CDs sind in verschiedenen Genres unterwegs, trotzdem einigen sie vier Dinge auf die ich weiter unten zu sprechen komme.
Howe Gelb, amerikanischer Singer/Songwriter und Ex-Mastermind von Giant Sand, hier mit einer eigenen Produktion unterwegs, führt uns mit Gathered in die Welt von Leonhard Cohen, Tom Waits und Lou Reed, aber mit seiner eigenen unverwechselbaren Reibeisenstimme, karg instrumentierte Folkmusik mit Einsprengseln von Rock und Jazz.
Gelegentlich wird er von Gastsängerinnen unterstützt, u.a. von der Nouvelle Vague Ikone Anna Karina und Tochter Talula.
Die Schweizer Sängerin Lucia Cadotsch zusammen mit Otis Sansjö am Tenorsaxophon und Petter Eldh am Bass interpretiert das great american songbook auf Speak low neu.
Der Dreh an ihrer Produktion ist, dass eigentlich eher traditioneller Jazzgesang von den beiden Instrumentalisten mit aus freiem Spiel bekannten Tönen unterlegt wird, was einen reizvollen Kontrast bildet.
Die Songs werden aus einer abgeleierten Barjazzecke herausgeholt und angenehm modernisiert.
Was nun beide CDs eint ist die musikalische Qualität, der gemeinsame leicht melancholische Mood und die eher leisen Töne, was beides gut zur Zeit passt.
Zuletzt findet sich auf jedem Werk eine gelungene Interpretation von Moon River, auf der Gelb-CD interpretiert von Tochter Talula, von der wir hoffentlich noch viel zu hören bekommen werden.

Uwe Saßmannshausen

Nicht stattfindende Konzerte 🙁

19. Juni 2020 20:30 Hamburg, Elbphilharmonie, Kleiner Saal
Anthony Braxton – Jacqueline Kerrod Duo

21. Juni 2020 20:00 Ludwigsburg, MHP Arena
Einstürzende Neubauten

21. Juni 2020 20:30 Ulm, Stadthaus
Anthony Braxton – Jacqueline Kerrod Duo

01. bis 05. Juli 2020 Monheim am Rhein
Monheim Triennale
u. a. mit Sam Amidon, Lakecia Benjamin, Pan Daijing, Kris Davis, Greg Fox, Shabaka Hutchings, Sofia Jernberg, Park Jiha, Robert Landfermann, Ava Mendoza, Marcus Schmickler, Phillip Sollmann, Terre Thaemlitz, Julia Úlehla, Jennifer Walshe, Stian Westerhus

14. und 15. Juli 2020 Molde
John Zorn Bagatelles Marathon

16. bis 19. Juli 2020 Nickelsdorf, Jazzgalerie
41. Konfrontationen

24. Juli 2020 19:00 Mainz, Zitadelle
Nils Frahm

24. Juli 2020 San Sebastian, Plaza de la Trinidad
New Masada Quartet
w/ John Zorn, Julian Lage, Jorge Roeder & Kenny Wollesen
Masada
w/ John Zorn, Dave Douglas, Greg Cohen & Joey Baron

29. Juli bis 01. August 2020 Berlin, Radialsystem
A L’ARME! Vol. 8

30. Juli bis 02. August 2010 Breitenach am Herzberg
Herzbergfestival
u. a. mit Guru Guru, Kraan, New Model Army,  Henrick Freischlader Band,  Wallis Bird & Lisa Simone

20. bis 23. August 2020 Saalfelden
41. Jazzfestival 

21. August 2020 20:30 Darmstadt, Gewölbekeller Jazzinstitut
Sebastian Gramss „Underkarl“
w/ Rudi Mahall, Lömsch Lehmann, Frank Wingold & Dirk-Peter Kölsch

04. September 2020 20:30 Darmstadt, Gewölbekeller Jazzinstitut
Klima Kalima
w/ Kalle Kalima, Oliver Potratz & Oliver Steidle

04. September 2020 20:30 Schorndorf, Manufaktur
Urs Leimgruber – Tatsuya Nakatani Duo

18. September 2020 München 20:30 , Muffathalle
Einstürzende Neubauten 

25. September 2020 20:00 Berlin, Columbiahalle
Einstürzende Neubauten

24. Oktober 2020 20:30  Schorndorf, Manufaktur
John Butcher – John Edwards – Mark Sanders

29. Oktober 2020 Ludwigshafen, BASF-Feierabendhaus
John Scofield – Dave Holland Duo

05. bis 08. November 2020 Berlin
Jazzfest

13. November 2020 20:30 Darmstadt, Gewölbekeller Jazzinstitut
Ronny Graupes „Spoom“
w/ Christian Weidner, Jonas Westergaard &  Christian Lillinger

14. November 2020 20:30 Schorndorf, Manufaktur
Bohren & Der Club Of Gore

05. Dezember 2020 20:00 Mainz, Capitol
Bohren & der Club of Gore

08. Dezember 2020 20:30  Schorndorf, Manufaktur
Mars Williams „An Ayler XMas“
w/ Jaimie Branch, Knox Chandler, MarkTokar & Klaus Kugel

18. Dezember 2020 20:30  Schorndorf, Manufaktur
Christopher Dell – Christian Lillinger – Jonas Westergaard

Wir freuen uns über weitere Infos, Anregungen und Korrekturen.
Dank an Andreas Dietz für einen Großteil dieser Zusammenstellung