Jazz von den 20ern bis in die 20er – Aufbruch zu neuen Ufern?
Vortrag:
Prof. Dr. Wolfram Knauer, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, Gründungsdirektor des Jazzinstituts Darmstadt (1990-2024)
Konzert:
Sebastian Gramss, Kontrabass
Leonhard Huhn, Altsaxophon
31. Oktober 2026 , 19:30, Einlass: 19:00
Atelier Christiane Schauder
Mainz Schießgartenstr. 10 A, Eingang Stiftsstraße
Eintritt frei, Spenden dringend erbeten
Die Musikrichtung des Jazz kam in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts aus ihrer Nische und begann ein weltweites Publikum zu erreichen. Die Experimentierfreude der Musiker kannte keine Grenzen.
Viele Zeitgenossen empfanden den Bruch mit Hörgewohnheiten als viel zu groß. Der neue Musikstil war heftig umstritten, wurde diffamiert und teilweise aktiv bekämpft. Nichtsdestotrotz bereitete dieses „Jazz Age“ den Boden für zwei Jahrzehnte in denen Jazz zum populärsten Musikstil in weiten Teilen der Welt wurde.
Seitdem sind viele Jazzepochen verflossen, Bop, Cool, Free, etc. Viele der heutigen Jazzmusiker fühlen sich keiner dieser Stilrichtungen verpflichtet und kehren in gewisser Weise zum „anything goes“ der anarchischen frühen Jazztage zurück, frei nach Ellingtons Motto „If it sounds good and feels good, then it IS good!“.
Duke Ellington war damals einer der bedeutendsten Vertreter dieser Zeit, der sich sowohl bewusst auf traditionelle afro-amerikanische Vorgaben berief als auch klassische europäische Musik in seinen Kompositionen verarbeitete.
Ganz in diesem Sinne dieser Experimentierfreude steht das Duo Sebastian Gramms und Leonhard Huhn.
Sebastian Gramss (https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastian_Gramss), Kontrabassist, Cellist und Komponist, Dozent für Ensemble/Improvisation und Kontrabass an der Musikhochschule Köln und am Institut für Musik Osnabrück, gehört seit Jahren zu den renommiertesten Musikern im Bereich Jazz und zeitgenössische Musik. Neben zahlreichen Jazzgruppen verschiedenster Stilrichtungen erstrecken sich seine Projekte z.B. auch auf die Goldberg-Variationen von Bach oder ein 50-köpfiges Bassorchester.
Leonhard Huhn (https://de.wikipedia.org/wiki/Leonhard_Huhn), Dozent an der Hochschule für Musik Würzburg, Saxophonist und Komponist steht ebenso für Vielseitigkeit ohne Berührungsängste. U.a. spielt er (wie auch Gramss) im Multiple Joy(ce) Orchestra, dass nicht nur klassischen Jazz, sondern auch Kompositionen von Karlheinz Stockhausen oder John Cage aufführt.
Dem Konzert vorangestellt wird ein kurzer Vortrag von Prof. Dr. Wolfram Knauer, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz und Gründungsdirektor des Jazzinstituts Darmstadt (1990-2024), in dem dieser einige Fragen in Bezug auf eine Musik aufwirft, die sich so oft neu erfunden hat und sich so hartnäckig weigert, endgültig zur Tradition zu werden. Was kann diese Musik eigentlich noch? Wofür steht sie? Und wen betrifft sie eigentlich?
Der Abend findet im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz mit dem Motto ‚Die Goldenen Zwanziger‘ statt und schlägt an dessen letzten Tag noch einmal die Brücke zwischen den 20er Jahren des 20. und 21. Jahrhunderts.
Die Veranstaltung wird vom Mainzer Verein UpArt e.V. durchgeführt, der seit über 30 Jahren unterschiedlichen Stilen und Grenzbereichen des Jazz eine Bühne bietet und dessen AKUT-Festival überregionale Bedeutung hat.
Kooperationspartner ist das Atelier Christiane Schauder, welches seit vielen Jahren in Mainz als ein bekannter Aufführungsort für anspruchsvolle Musik aus den Bereichen Jazz, Klassik und neuer Musik etabliert ist.

Foto – Frank Schindelbeck